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JÜDISCHES LEBEN IN BAYREUTH

Festjahr 2021 | 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

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Bayreuther Stadtgespräche

Die Beiträge innerhalb der etablierten Reihe „Bayreuther Stadtgespräch(e)“ werden bis zum Ende des Jahres 2021 auch jeweils einen inhaltlichen Bezug zum jüdischem Leben haben.
Die Vorträge der Reihe sind für ihre allgemeinverständliche und ansprechende Aufbereitung bekannt und werden seit Jahren von einer großen Zahl interessierter Gäste immer am ersten Mittwoch im Monat (Beginn 18 Uhr) besucht. Bis zum Coronaausbruch war das Fassungsvermögen der Ausrichtungsstätte (das Foyer des Iwalewahauses der Universität Bayreuth im Herzen der Stadt) der limitierende Faktor. Durch die Umstände der Pandemie sind wir hier nun auch zunächst rein digital am Start und freuen uns auf die Stammgäste ebenso wie auf ein noch größeres und breiteres Publikum. Alle Interessierten sind (wieder) herzlich willkommen!

Wählen Sie sich mit ein! Spannend aufbereitete Informationen und die Möglichkeit zum Dialog mit den Referierenden sind nur einen Klick weit entfernt.

Die sonstigen Rahmenbedingungen sind die gleichen geblieben:
Im Anschluss an den Kurzvortrag (von max. 45 Minuten Dauer) haben die am Veranstaltungstag Teilnehmenden die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Die Vorträge sind auch im Nachhinein als Mitschnitt abrufbar.

Unter diesem link können Sie am Veranstaltungstag live am Bayreuther Stadtgespräch teilnehmen:
https://uni-bayreuth.zoom.us/j/65113353751?pwd=Q29CblQyd2kxblBuMEZ1UW1SbHAvZz09

  • 02.06.2021: "Da will ich wieder ein bisschen mit Euch beisammen sein". Briefe einer Wiener Jüdin an ihre emigrierte Familie 1938 - 1942.
    Referent: PD Dr. Jörg Zedler (Lehrstuhl für bayerische Landesgeschichte; Universität Regensburg)
    Videoaufzeichnung des Stadtgesprächs auf Youtube

    Als die Nationalsozialisten im März 1938 in Österreich einmarschierten, um es dem Deutschen Reich anzuschließen, lebten dort 181.882 Jüdinnen und Juden, die meisten von ihnen in Wien. Mehr als 130.000 konnten bis zum Auswanderungsverbot im Oktober 1941 flüchten, doch wurden über 17.000 aus ihrem Exil und 45.527 Menschen aus Wien deportiert. Insgesamt fielen mehr als 66.000 österreichische Jüdinnen und Juden der Shoah zum Opfer.

    So gewaltig diese und andere Zahlen des Holocaust sind, sie lassen das Schicksal der Menschen dahinter nur schemenhaft erkennen. Dies umso mehr, als sie bereits vor dem Horror der Vernichtungslager systematisch diskriminiert, entrechtet, ausgegrenzt und ausgeraubt wurden. – Ella Wenger, eine 1938 68-jährige Wienerin, lässt die Zeit und das Leid anschaulich werden, wenn sie die Situation in zahlreichen Briefen an ihre zunächst nach Belgien, 1940 nach Frankreich emigrierte Tochter schildert. Wie groß dabei die Sorge vor Überwachung und Verfolgung war, wird schon in dem Umstand deutlich, dass sie häufig in die dritte Person wechselt oder zahlreiche Ereignisse nur verklausuliert beschreibt. Dekodiert man diese Stellen, entsteht ein Bild der kleinen wie der großen Nöte des Alltags, der Katastrophen, aber auch des ungebrochenen Optimismus, ihre Familie einst wiederzusehen.

    An eindrücklichen Beispielen rückt der Vortrag die Alltagsgeschichte der jüdischen Bevölkerung Wiens zwischen 1938 und 1942 in den Mittelpunkt und zeigt, dass sich der Weg von der Diskriminierung zur Deportation vor aller Augen – und zuweilen unter tätiger Mithilfe „ganz normaler“ (C. Browning) Menschen – vollzog.

  • 07.07.2021, 18:00 Uhr: Bayreuth zwischen Tradition und  Reform. Der Rabbiner Dr. Joseph Aub und seine Zeit.
    Referent: Prof. Dr. Günter Dippold (Bezirksheimatpfleger, Kultur und Heimatspflege, Bayreuth
    Videoaufzeichnung des Stadtgesprächs auf Youtube

    Joseph Aub (1804–1880) war von 1829 bis 1852 Distriktsrabbiner in Bayreuth. Er wirkte hier in einer Zeit, als das jüdische Leben im Umbruch war: Dörfliche Kultusgemeinden begannen zu schrumpfen, städtische zu wachsen. Traditionelle Berufe verschwanden, neue Tätigkeitsfelder erschlossen sich Juden. Auch in Aub verkörpert sich der Umbruch: Er war entschiedener Vertreter der Reform, der religiöse Gebräuche in aufgeklärtem Geist umgestalten wollte. Daraus erwuchsen Konflikte mit den streng auf die Tradition pochenden Kräften seiner Gemeinde, unter denen – zumindest anfangs – auch sein Schwiegervater war, der Jean-Paul-Freund Emanuel Osmund (1766–1842). Auch sein Leben wird im Vortrag behandelt.

  • 04.08.2021, 18:00 Uhr: Eine Reise in die Zeit: Die Bayreuther Festspiele und die Juden

Referent: Prof. Dr. Anno Mungen,  Lehrstuhl für Theaterwissenschaft, Forschungsinstitut für Musiktheater, Universität Bayreuth
Videoaufzeichnung des Stadtgesprächs auf Youtube

Vier Menschen, vier Jahreszahlen und vier Berührungspunkte mit Bayreuth: Die Juden und die Richard Wagner-Festspiele bilden ein großes Feld, das wesentlich von der Bedeutung der Stadt im Nationalsozialismus mitabhängig ist. Der Vortrag nimmt seinen Ausgang vom 27. Januar, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus und wie er 2021 im deutschen Bundestag begangen worden ist. Das Datum regt an, Geschichten in einer bewegten Zeit des Verhältnisses der Festspiele zu den Juden in den Blick zu nehmen: Barrie Kosky im Jahr 2016, Henriette Gottlieb im Jahr 1930, Albertine Neuland im Jahr 1924 und Hermann Levi im Jahr 1882. Die Einblicke in die Leben eines Dirigenten des 19. Jahrhunderts, einer Wagner-Sängerin und einer Festspiel-Besucherin vor 1933 sowie eines australischen Opern-Regisseurs unserer Tage verorten vier jüdische Bayreuth-Biografien zu unterschiedlichen Zeitpunkten in ganz unterschiedlicher Weise.

Blick in die Slat al-Azama Synagoge
  • 03.11.2021, 18:00 Uhr: Die letzten Juden der arabischen Welt? Jüdisches Leben in Marokko und Tunesien
    Referent: Prof. Dr. Johannes Becke, Ben-Gurion-Lehrstuhl für Israel- und Nahoststudien, Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg

    Mit den arabisch-israelischen Kriegen fand die lange jüdische Geschichte in der arabischen Welt ein plötzliches Ende: Nach Jahrzehnten von Flucht, Vertreibung und Auswanderung bleiben von den jüdischen Gemeinden im Irak, Syrien oder Ägypten fast nur noch Friedhöfe und verlassene Synagogen. Die Maghreb-Länder bilden hier eine Ausnahme: In Marokko und Tunesien gibt es noch kleine jüdische Gemeinden – und in Marokko ist das jüdische Kulturerbe seit 2011 sogar in die Landesverfassung eingeschrieben. Der Vortrag skizziert die Entwicklung des jüdischen Lebens in Nordafrika seit den arabisch-israelischen Kriegen: Während das maghrebinisch-jüdische Kulturerbe inzwischen vor allem außerhalb der Region gepflegt wird (insbesondere in Frankreich und Israel), gehen von der nordafrikanisch-jüdischen Geschichte weiterhin wichtige Impulse für die jüdisch-muslimischen und die arabisch-israelischen Beziehungen aus.

    Nähere Informationen zu den Bayreuther Stadtgesprächen finden Sie unter:
    https://www.uni-bayreuth.de/de/campusleben/terminkalender/stadtgespraeche/index.html

Bildrechte: Angela Stefanoni, Mellah in Marrakech - panoramio, CC BY 3.0


Verantwortlich für die Redaktion: Angela Danner

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